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05.08.2021 / Allgemein / B2B Marketing / Blog / Content Creation / Datadriven Marketing / Praxistipps / Storytelling

Blog-Artikel

Kreativitätstechniken im Team

Gemeinsam innovative Ideen erarbeiten, egal ob remote oder vor Ort

Das Teammeeting steht an, die Fragestellung ist klar, aber Ergebnisse lassen auf sich warten? Mit den richtigen Kreativitätstechniken ist Schluss damit, denn gute Ideen kann jeder haben. Vor allem eine durchdachte Struktur und eine harmonische Arbeitsatmosphäre helfen, der Ideenfindung neuen Schwung zu verleihen. Weniger Stress bringt nämlich mehr Kreativität mit sich. Und das richtige Kreativitäts-System kann die neuen Ideen im Handumdrehen in konkrete Maßnahmen umwandeln.

Keine Sorge, wenn das Team mal wieder nicht vollständig vor Ort im Sitzungszimmer eingetroffen ist, denn alle vorgestellten Methoden sind auch aus dem Homeoffice möglich. Unsere Übersicht am Ende des Beitrags hilft dabei, die perfekte Kreativitätstechnik für jede Situation zu finden. Also einfach herunterladen und ausgedruckt oder digital ins nächste Meeting mitnehmen, damit man nie wieder ohne zufriedenstellende Ergebnisse dasteht.

Pssst: Wer sich erstmal lieber allein Gedanken über eine Fragestellung machen möchte, oder sein kreatives Köpfchen nachhaltig trainieren will, wird auf jeden Fall in unserem Blogpost „Kreativitätstechniken für außergewöhnliche Ideen – so einfach kann es sein, kreativer zu werden“ fündig.

 

1. 6-3-5 Methode

Ein Problem, keine Ideen, sechs Köpfe. Mit diesen Grundvoraussetzungen kann man mithilfe der 6-3-5-Methode blitzschnell Einfälle generieren.

Dafür erhalten die Teammitglieder je ein Blatt Papier oder Dokument mit drei Spalten und sechs Zeilen. Dann schreibt jeder drei Ideen in die erste Spalte. Nach fünf Minuten wird das Blatt/Dokument an den Tischnachbarn weitergegeben, der in Spalte Nr. 2 die Idee weiterentwickelt und so weiter.

Übrigens: Auch wenn der Name der Methode die Größe des Teams vermeintlich vorgibt, ist die Technik grundsätzlich auch mit mehr oder weniger TeilnehmerInnen durchführbar. Man kann dabei alle Personen in 6 Gruppen einteilen oder die Zeilen der Teilnehmeranzahl gleichsetzen.

 

2. Walt Disney Methode

Diese Methode arbeitet mit der Idealisierung der Zusammensetzung von Teams, denn sie baut auf drei wichtigen Rollen für Gruppendynamik auf. Je ungleicher die individuellen Vorstellungen, desto kreativer sind die Ergebnisse! Aus diesem Grund wird das Team in verschiedene Gruppen eingeteilt und muss in der jeweiligen Rolle eine Diskussion führen:

Der Träumer ist Ideenlieferant. Er nutzt seine rechte Gehirnhälfte, um alle möglichen chaotischen und visionären Ideen zu sammeln. Tradition, Logik und Umsetzbarkeit sind für diese Rolle unwichtig. Groß denken ist gefragt!

Der Realist ist Pragmatiker. Er möchte etwas Handfestes und konzentriert sich daher auf das, was machbar ist. Er versucht Wege zu finden, so viele Ideen des Träumers wie möglich umzusetzen. Er stellt sich die Frage: „Was wäre alles nötig, um die Ideen umzusetzen?“

Der Kritiker ist Qualitätsmanager. Er stellt konstruktive Fragen und prüft vorläufige Ergebnisse. Dabei sucht er zwar nach Schwachstellen, möchte aber keineswegs die ganze Idee verwerfen. Er überlegt sich, was wie optimiert werden kann oder muss.

 

Ablauf:

Im ersten Schritt wird das Problem formuliert. Zum Beispiel: „Was soll unser neues Projekt werden“, oder „wie können wir das Onlinemarketing optimieren?“. Dann werden die TeilnehmerInnen zufällig in die drei Gruppen Träumer, Realist und Kritiker eingeteilt. Jede Gruppe bekommt einen eigenen Besprechungsort (virtuell oder physisch). Dort können die Teammitglieder sich mit der Frage auseinandersetzen.

Zuerst bekommt der Träumer Zeit, in der er Ideen präsentiert und am besten in einem Dokument festhält. Klassischerweise bietet sich hier ein Whiteboard oder PowerPoint/Google Docs an. Nach einer zweiten Besprechungsphase ist der Realist an der Reihe, die Umsetzbarkeit der Ideen zu präsentieren. Danach bekommt auch der Kritiker Vorbereitungszeit um als Schlusslicht die Schwachstellen und Optimierungspotenziale der Ideen aufzuzeigen.

Die Walt-Disney-Methode führt zunächst dazu, dass ein Problem oder ein Sachverhalt aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Damit daraus konkrete Schlussfolgerungen für Handlungen entstehen empfiehlt es sich, als Zusatzrolle einen neutralen Beobachter zu benennen, der Ergebnisse dokumentiert und die wichtigsten Pro- und Kontraargumente schriftlich festhält. In einem letzten Schritt können konkrete Umsetzungsmaßnahmen formuliert und geplant werden.

 

3. Brainstorming

Möglichst viele Ideen sammeln, um die Besten herauszufiltern – Brainstorming kennt jeder und so mancher hat nicht nur positive Erfahrungen damit gemacht. Das liegt aber nicht an der Methode selbst, sondern an ihrer Umsetzung. Denn was viele vergessen: ein gelungenes Brainstorming endet erst, wenn erarbeitete Ideen auch angewendet werden.

Anstatt in einer (Video-)Konferenz einfach nur Ideen einzuwerfen und ein unüberschaubares Durcheinander zu kreieren, empfiehlt es sich in einer Gruppe alle Einfälle in Ruhe zu notieren. Dazu braucht man eine konkrete Fragestellung und Post-its, oder eine digitale Lösung wie ein Conceptboard. Durch dieses „Brainwriting“ kommen übrigens auch die Ideen von stilleren Kollegen zu Wort.

Die Ergebnisse werden protokolliert und in Kategorien eingeteilt:

In beliebig vielen Schleifen kann man beliebig viele auserkorene Ideen weiterentwickeln und konkretisieren. Eine Abstimmung über die Umsetzung sollte direkt oder in einem zeitigen Anschlusstermin folgen. Hierzu gehört die konkrete Erstellung eines Umsetzungsplans und das Bestimmen von Verantwortlichen.

 

4. Kopfstandmethode

Natürlich darf man auch mal keine Lust auf klassisches Brainstorming haben – dann ist die Kopfstandmethode angesagt. Denn diese Technik ist im Grunde nichts anderes als ein umgedrehtes Brainstorming. Also bereit machen zum Umdrehen!

Natürlich ist das nur metaphorisch gemeint, denn der einzige Sport, der hier gefragt ist, heißt Denksport. Dass die Deutschen gerne kritisieren ist vielleicht nur ein Vorurteil, aber Kritik üben kann auch die Kreativität fordern. Das macht sich diese Methode zu Nutze. Anstelle zu fragen, wie man ein Problem löst, geht es hier zunächst um das Gegenteil:

Was müsste man tun, um das Problem noch zu verschlimmern?

Wenn ein Unternehmen beispielsweise seine Conversion Rate verbessern möchte überlegt man sich also: „Was tun, damit die Conversion so richtig runtergeht.“ Der Ablauf bleibt dabei übrigens gleich wie beim Brainstorming. Zusammengefasste Ergebnisse könnten dann so aussehen:

Diese Not-to-do Liste kann man dann wiederum in konkrete Maßnahmen umwandeln werden. Auf keinen Fall möchte man Kundenfragen ignorieren. Deshalb könnte man beispielsweise einen Kontaktbutton auf der Website installieren, damit Rückfragen direkt und unkompliziert beantwortet werden können.

Die Kopfstand-Methode kann überraschend lohnend sein, denn manche Lösungen erkennt man erst, wenn sie auf dem Kopf stehen.

 

5. Zufallstechnik

Wer nicht so viel Druck für eine schnelle Lösung des Problems hat und das gemeinsame Ideenfinden auch als Teambuilding Event sieht, kann auf die Zufallstechnik zurückgreifen. Neben einem Spaßerlebnis entsteht durch das Weiterführen fremder Ideen ein gestärkter Teamgeist. Und auch kreative Lösungen lassen nicht lange auf sich warten. Denn der einfachste Perspektivwechsel in der Ideenfindung ist der Zufall.

Und so geht’s:

Jedes Teammitglied schreibt 10 ganz beliebig ausgewählt Begriffe auf ein eigenes Textfeld (digital) oder auf Papier.

Die Begriffe werden an das nächste Teammitglied gegeben.

Ein Begriff wird ausgewählt. Man formt einen Satz, wie dieser Begriff zur Lösung des Problems beitragen kann.

Dabei bilden sich eventuell zufällig entstandene, aber geniale Ergebnisse out-of-the-box. Denn auch lustige Ideen sind erwünscht. Die Gelassenheit sorgt für Entspannung, was den kreativen Geist übrigens noch mehr anregt.

Als Anwendungsbeispiel: So könnte das Textfeld, bzw. das Blatt einer Person aussehen, wenn die Fragestellung des Problems lautet: Wie können wir unser neues Verpackungsgerät entwickeln?

 

6. 6-Hüte Methode

Ähnlich wie bei der Walt-Disney-Methode spielen die Denkhüte mit der Gruppendynamik. Allerdings schlüpft hier jeder Teilnehmer einmal in die unterschiedlichen Rollen, um die Fragestellung zu analysieren. Das fördert zusätzlich die gedankliche Flexibilität.

Zuerst sollten alle Beteiligten nacheinander die verschiedenen Hüte (symbolisch) aufsetzen und laut äußern, was ihr oder ihm unter dem jeweiligen Hut zur Fragestellung einfällt. Die Äußerungen werden gesammelt, am besten wieder in einem virtuellen Board, oder analog mit Post-its auf einer Pinnwand.

Jede Farbe steht dabei für einen anderen Standpunkt, der zur Analyse der Fragestellung, des Problems oder des Idee-Ansatzes beitragen soll:

Neutralität: Wenn man diesen Hut aufgezogen hat lautet die Aufgabe, sich von jeglichen Emotionen freimachen und einen objektiven Überblick aller Daten und Informationen darlegen.

 

Subjektivität: Mit dem roten Hut darf man all seinen Emotionen freien Lauf lassen. Man äußert Ängste, Freude, Zweifel, Hoffnung, Intuition, … alles ist erlaubt.

 

 

Negativität: Auch wenn der Zylinder optisch einen positiven Eindruck macht, geht es mit diesem Hut darum, alles zu bemängeln. Kritik üben und Schwachpunkte ausarbeiten ist angesagt. (Konstruktiv – versteht sich von selbst)

 

Positivität: Das Gegenteil zu schwarz ist in diesem Fall gelb – wo liegen Chancen, Pluspunkte und Hoffnungen? Der gelbe Hut muss allerdings realistisch bleiben, Euphorie gehört ja schon zu rot.

 

Innovation: Grün, grün, grün sind alle neuen Ideen. Mit diesem Hut denkt man über das bereits Festgestellte hinaus und wirft neue (gerne auch verrückte) Ideen in die Diskussion. Hauptsache sie sind innovativ.

 

Organisation: Mit dem blauen Hut behält man den Überblick. Man fasst Ergebnisse zusammen oder trifft Entscheidungen darüber, welche Hüte im weiteren Prozess benötigt werden.

 

Nachdem erste Ideen gesammelt wurden, können in der nächsten Runde die jeweiligen Hüte ganz gezielt aufgesetzt werden. Zum Beispiel setzen alle den grünen Hut auf, um möglichst viele neue Ideen zu sammeln. Diese kann man dann mit dem gelben und schwarzen Hut auf Potenziale und Schwachstellen testen. Der blaue Hut hilft, am Ende des Prozesses aus den Ideen konkrete Ziele und Maßnahmen festzulegen.

 

Fazit

Für jedes Problem gibt es meist mehrere Lösungen. Kreativität hilft dabei, die innovativsten und effektivsten herauszufiltern. Doch Blockaden sind gerade im Arbeitsumfeld nicht unüblich, weshalb Kreativitätstechniken im Ideenfindungsprozess eine große Bereicherung sind. Außerdem können sie ein Team stärken und ungeahnte Potenziale freisetzen.

Für alle Methoden gelten aber auch Regeln, denn besonders wenn in einer Gruppe kreative Ideen entstehen sollen, hat ein angenehmes Arbeitsklima die oberste Priorität.

In diesem Sinne:

  • Jede Idee ist eine gute Sache
  • Alle Köpfe bleiben offen für Neues
  • Spaß und guter Umgang haben höhere Priorität als die Ergebnisse

Und wie versprochen: hier ist unsere Übersicht für bessere Ideen bei Ihrem nächsten Meeting.

Was tun Sie bei einem kreativen Tief und wie motivieren Sie Ihr Team? Wir wollen es wissen!

Kontaktieren sie uns hier oder auf unseren Social-Media-Kanälen (LinkedIn, Facebook oder Instagram).

Selbstverständlich stehen wir auch immer gerne für Fragen und Unterstützung bei Ihrem Kreativitätsprozess zu Verfügung.

 


 

Quellen:

Kreativitätstechniken zur Ideenfindung

Disney-Methode

Die Methode des 6-Hut-Denkens

Frische Luft – Ein Ausflug in die Natur fördert die Kreativität

Wikipedia: Kreativität

Kreativitätsforschung: Lassen Sie keinen Stress entstehen

 

Autorin

Franziska Köhl

Head of Corporate Communications